Das war der zweite Bezirkskirchentag Nürtingen

Logo Bezirkskirchentag 2008

Mit dezentralen Gottesdiensten in allen Kirchen der 31 Gemeinden des Nürtinger Kirchenbezirks hatte der zweite Bezirkskirchentag am Sonntag, den 29. Juni begonnen. Botschafter aus jeweils einer anderen Kirchengemeinde hatten die Eröffnungsbotschaft in die Gottesdienste getragen, die nach einer einheitlichen Liturgie gefeiert wurden.
Der Platz zwischen Nürtinger Stadthalle und Kreuzkirche bot eine Woche später, am 6. Juli, die Kulisse für den zentralen Abschlußgottesdienst, bei dem Rundfunkpfarrerin Lucie Panzer die Predigt hielt. Bei der „Begegnung zur Mittagszeit“ anschließend verköstigten verschiedene Kirchengemeinden und Einrichtungen des Kirchenbezirks ein zahlreiches Publikum mit Kulinarischem und mit Informationen. Und der unvermeidliche Regen hatte so lange ge-wartet, bis die meisten Stände wieder abgebaut waren.

Seinen geistlichen Mittelpunkt hat dieser Bezirkskirchentag im „Geistlichen Zentrum Stadtkirche“ gefunden. Das war bei diesem Bezirkskirchentag neu ins Programm gekommen, und der dankbare bis begeisterte Zuspruch, den es im Laufe der Woche fand, lässt auf eine Wiederholung hoffen: 13 Stationen spannten in der dafür aufwendig ausgestalteten und die ganze Woche über „von acht bis acht“ geöffneten Stadtkirche den Bogen von Lob und Dank, Trauer und Klage, Hoffnung und Freude. Sie boten so die gerne genutzte Gelegenheit zum Innehalten, Meditieren, zu Ruhe und Gebet. Vier liturgische Tagzeiten im Chor der Kirche gliederten Tag: um  8 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr und das im Stil von Taizé gehaltene Abendgebet um 19 Uhr. Und wer wollte, konnte sich von einem der ständig anwesenden Kirchenführer/innen die Kirche erklären lassen. Oder sich in der abgeschirmten Sakristei zu einem seelsorgerlichen Gespräch mit einem/r Pfarrer/in des Kirchenbezirks treffen.

Der zweite Teil der Jahreslosung „… und ihr sollt auch leben“ gab den geistlichen Leitfaden vor für eine Woche „geballte Kirchlichkeit“: Wie beim großen Deutschen Evangelischen Kirchentag sollte das ganze breite Spektrum kirchlicher Lebendigkeit einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden. Das 24seitige Programmheft, zu dem Gemeinden aus allen fünf Distrikten des Dekanats Ideen beisteuerten, umfasste denn auch fast alles, was Kirche zu bieten hat:  Kinder-Mitmach-Konzert und Konfi-Nachmittage,  das Rock- und Popkonzert „open skys“, Liturgischer Spaziergang und Wanderung auf dem Jakobspilgerweg,  Kirchen- und Orgelführungen, Konzertlesungen und Kirchenmusiken aus den verschiedensten Epochen und Stilrichtungen. Eine sehr gelungene Aufführung von Haydns Schöpfung durch die Nürtinger Kantorei zusammen mit Solisten und der Sinfonia 02 bildete dabei am Abend des 6. Juli einen krönenden Abschluß dieses Bezirkskirchentages. Auch Filmvorführungen, ein prominent besetztes Podium zur „Zukunft der Kirche - Kirche der Freiheit“ und Vorträge, u.a. mit dem Bremer Alt-OB Henning Scherf („Das Alter ist bunt!?“) oder dem Berliner Journalisten Philipp Gessler („Ende des Kuscheldialogs“ - zum Gespräch mit Muslimen) gehörten zum Programm.

Der Glöckner der Wendlinger Eusebiuskirche eröffnete die dortige Kulturnacht, während die Nacht der Offenen Kirchen in Nürtingen von Studierenden der Nürtinger Hochschule für Kunsttherapie mitgestaltet wurde: „reichlich sinnlich“ – dieses Motto hatten die fünf Nürtinger Kirchengemeinden vorgegeben; jede gestaltete ihre Kirche nach einem der fünf Sinne und die Studierenden knüpften mit ihren künstlerischen Einfällen und Installationen in der jeweiligen Kirche daran an und eröffneten so einen Dialog zwischen Kunst und Religion. Ein Kleinbusshuttle fuhr den ganzen Abend lang die Runde der fünf Kirchen ab; aber es wurden auch einige Radfahrer und sogar Rundwanderer gesichtet.


„Der Gottesdienst ist ein Ort zum Bleiben – ich meine, da findet man Kraft zum Leben“ – in ihrer Predigt im Abschlußgottesdienst buchstabierte Lucie Panzer das Schlüsselwort Kommunikation biblisch mit dem Bildwort vom Weinstock und den Reben aus Joh 15 durch - Kommunikation untereinander und Kommunikation mit Gott: „Ich bin froh darüber, dass da nicht auch noch dauernd was los ist…“, nahm sie eventuellen Kritikern „langweiliger“ Gottesdienste den Wind aus den Segeln; „… froh, dass ich da einfach bleiben kann. Sitzen bleiben, zuhören, mir meine Gedanken machen, Kraft schöpfen kann; mir tut das gut…“.  Dass es an diesem Sonntagvormittag in dieser Freiluftatmosphäre in der Mitte Nürtingens keineswegs langweilig wurde, dafür sorgten auch die gesammelten Kirchen- und Posaunenchöre des Bezirks, die sich über den weiten Platz hinweg interessante Stereoeffekte zuspielten; dafür sorgte der starke Eindruck, die eine Tanzgruppe aus Neuffen mit ihrer Choreographie zur Sacro-Pop-Einspielung hinterließ, dafür sorgten unzählige rote und grünen Luftballons, die - symbolisch für Weinstock und Reben - das Publikum zum Spielen verführte. „Am Ende gehe ich mit neuem Mut in die Woche, die vor mir liegt…“, resümierte Lucie Panzer die Möglichkeiten und Chancen des Gottesdienstes.


Am Ende dieser Woche verdichteter Erfahrungen mit Kirche und Glauben gehen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, viele Gemeindeglieder, viele Gäste und Fremde mit ein bisschen mehr Neuem Mut und vielleicht auch mit ein bisschen weniger Fremdheitsgefühl in die kommenden Wochen und Monate des (kirchlichen) Normal-Alltags – und wissen jetzt etwas mehr: es muss doch in der Kirche noch mehr geben als Finanzprobleme, Stellenstreichungen und Verkauf von Gemeindehäusern.

 

Geistliches Zentrum in der Stadtkirche St. Laurentius Nürtingen

Nacht der offenen Kirchen - hören - schmecken - riechen - sehen

Abschlussgottesdienst